Hakelwerk
Osiek
Geschichte
Schon in pommerellischer Zeit war unter dem Schutz der an der Mottlau gelegenen herzoglichen Burg – an der Stelle des späteren Ordensschlosses – eine Ansiedlung slawischer Fischer und Bernsteinsucher entstanden. Die dazugehörigen Krüge werden bereits in einer Urkunde Herzog Sambors für das Kloster Oliva erwähnt, angeblich von 1178. Die Urkunde ist zwar sicher mindestens eine formale Fälschung, stammt aber selbst jedenfalls noch aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Als der Deutsche Orden sich 1308 der Danziger Burg bemächtigte, ließ er diesen slawischen Ort bestehen. 1312 erteilte er dessen Bewohnern eine Bestätigung ihrer alten Seefischerei- und Bernsteingerechtsame. 1348 wird die Ortschaft erstmals urkundlich als „Hakelwerk” bezeichnet, anlässlich eines vom Danziger Komtur zwischen der Rechtstadt und den „Polen uz dem hachilwerke” vermittelten Streits um gewisse Ländereien.
Der Ausdruck bezieht sich auf eine einfache, jedenfalls schon in pommerellischer Zeit vorhandene Befestigungsanlage aus behacktem Buschwerk und Weißdorngestrüpp, wie sie zum Schutz von Außenhöfen auch bei anderen Burgen (z. B. in Ragnit und Insterburg) vorkam. Ihr Zweck war in erster Linie, bei einem plötzlichen Überfall den Gegner aufzuhalten, bis die Einwohner sich selbst und ihre Habe in den schirmenden Wallring des Schlosses geflüchtet hatten. Recht anschaulich wird dies in der livländischen Reimchronik beim Überfall des Ordens auf die semgallische Burg Doblen mit ihrem Hakelwerk im Winter 1288/89 geschildert.
Bereits während der Ordenszeit wurde das zum Danziger Hakelwerk gehörige, ursprünglich weitere Gebiet allmählich auf den Raum zwischen der Birgittiner-Nonnenkirche und der Burg beschränkt. Der Ort wahrte jedoch während der ganzen Ordenszeit seine kommunale Selbständigkeit als Fischerdorf zu slawischem Recht, ähnlich wie die brandenburgischen Kietze. 1454 wurde er mit der Rechtstadt vereinigt; die slawische Gemeinde ging nun in die germanisierte Zunft der Seuner über.
Noch im 16. Jahrhundert bestand das an der Ecke der Nätlergasse gelegene sogenannte polnische Rathaus. Noch 1608 umfasste die örtliche Bezeichnung „Hakelwerk” das ganze zwischen Hinter Adlers Brauhaus und An der Schneidemühle gelegene Viertel damals noch unbenannter Gässchen. Erst nach dieser Zeit wurde die Bezeichnung als Straßenname auf den heutigen Geltungsbereich eingeschränkt. 1624 wurde die bekannte Hakelwerk-Gasse zusammen mit der Kleinen Ölmühlengasse und Am Spendhaus als „Vergessene Gasse” bezeichnet. Der Historiker J. Hevelke erwähnt diese Straße in seiner Familiengeschichte unter dem Namen Fieffingergasse, da sich fünf Gassen von ihr wie die Finger einer Hand abzweigen.