Hundegasse
Ogarna
Platea Braseatorum, Brauergasse, Pleatea Canum
Geschichte
Die Hundegasse wird gelegentlich hypothekarischer Beleihungen erstmals 1336 als "platea braseatorum" (Brauergasse) erwähnt. Neben dieser in ältester Zeit allein gebrauchten Bezeichnung findet sich 1378 der heutige Name als "platea canum". Eine Zeitlang gingen beide Ausdrücke noch nebeneinander her; seit 1415 kommt der ältere nicht mehr vor.
Hundegassen gibt es in einer großen Anzahl deutscher Städte. Die Entstehung des Namens ist bei einigen mit Sicherheit auf in den Gassen gelegene Abdeckereien und Höfe zurückgeführt worden, auf denen Hunde gehalten wurden. Diese Gassen liegen daher häufig in äußeren Stadtteilen und erfreuen sich nicht des besten Rufes. Das trifft aber nicht bei allen zu — zum Beispiel nicht bei Elbing und auch nicht bei Danzig. Hier hat die Abdeckerei, zur Zeit als der Name aufkam, nicht in der Gasse gelegen. Die Hundegasse gehört zu den Hauptstraßen der Stadt und war bereits im 14. Jahrhundert, wie der ältere Name beweist, vorwiegend von dem hochangesehenen Brauergewerk bewohnt.
Allenfalls könnte man an den am Ende der Gasse gelegenen Stadthof, den Marstall des Rates, denken. Irgendeine Nachricht, dass hier Hunde gehalten wurden, hat sich indessen nicht ermitteln lassen. Die in der Stadt zur Bewachung der Speicherinsel gehaltenen Hunde waren dort untergebracht.
Es scheint vielmehr, dass der Name einem anderen Zusammenhang seine Entstehung verdankt, und zwar der Ableitung von Personennamen. Gassen, die nach Personen benannt sind, finden sich in Danzig bereits im 14. Jahrhundert recht zahlreich. Fast durchweg sind es Namen angesehener, bekannter Familien, die zur Entstehung des Gassennamens Anlass gaben — derselben Kreise, die bereits im 14. Jahrhundert vielfach ihre durch Handel und Gewerbe gewonnenen Kapitalien zur hypothekarischen Beleihung städtischer Grundstücke in der üblichen Form des Rentenkaufs verwendeten.
Zu diesen wohlhabenden Kapitalisten scheinen nun auch Träger des Namens "Hund" gehört zu haben. Von 1352 bis 1435 wurde der Name siebenmal erwähnt. Als Ältester gab Nikolaus Hund 1352 eine Hypothek auf ein Grundstück in der Beutlergasse. Im Jahre 1402 löste Peter Tymmerman von einem in der Hundegasse zwischen Ankerschmiede- und Mälzergasse gelegenen Grundstück eine dem Johann Hund gehörige Hypothek ab. Noch 1411 und 1415 wird der Name Nikolaus Hund in der Gasse genannt. Es dürfte sich bei der Hundegasse derselbe Vorgang abgespielt haben, der sich bei der Gertrudengasse nachweisen lässt.
Für die heutigen Nr. 1-14 und 119-128 der Hundegasse wird im Servis von 1806 auch die sonst nicht belegte Bezeichnung "Zaggengasse" gebraucht. Sie ist abgeleitet von dem preußischen Provinzialismus "Zagge" (Pferd) und geht zurück auf die benachbarten Stallungen des Stadthofes.
Das die Hundegasse abschließende Kuhtor wird 1378 erstmals als "vedor" erwähnt. Es verdankt seinen Namen den damals noch auf dem gegenüberliegenden Teil der Speicherinsel befindlichen städtischen Viehweiden. Die Brücke über die Mottlau wird 1379 erwähnt.
Die Hundegasse, heute auf Polnisch als Ulica Ogarna bekannt, liegt im Stadtteil Rechtstadt, dem historischen Kern Danzigs. Die Straße ist gesäumt von stattlichen Patrizierhäusern aus der Renaissancezeit. Sie verbindet sich über die Kuhbrücke mit dem Kuhtor und bietet einen Einblick in das reiche architektonische und kulturelle Erbe des alten Danzig.
Zu den berühmtesten ehemaligen Bewohnern zählt Daniel Gabriel Fahrenheit (1686-1736), der einen Teil seiner Kindheit in der Hundegasse 95 verbrachte. Der Erfinder des Quecksilberthermometers und der nach ihm benannten Temperaturskala wird heute durch eine Gedenktafel am Haus gewürdigt. In der Hundegasse 101 wurde Johannes Trojan (1837-1915) geboren, ein gefeierter deutscher Humorist und Dichter. In der Hundegasse 11/12 befand sich die alte Danziger Brauerei unter Eduard Rodenacker, die an die frühen Ursprünge der Straße als Brauergasse erinnert.