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Judengasse

Spichrzowa

Geschichte

Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung "Judengasse" für einen Teil der Milchkannengasse gebraucht. Erst nach dieser Zeit ist sie auf die heutige Judengasse übertragen worden. Wann dies genau stattfand, ist nicht festzustellen; auf Plänen erscheint der Name für seinen heutigen Geltungsbereich seit 1792. Im Mittelalter wird die Gasse seit 1422 nur der Zahl nach, von der Milchkannengasse ab gerechnet, aufgeführt als "arta platea prima" (erste enge Gasse).

Die Bezeichnung "platea prima" kommt daher, dass man anfänglich die Straßen auf der Speicherinsel nummerierte — einmal von Norden her zur Milchkannengasse, und ein zweites Mal bei der Milchkannengasse beginnend in Richtung Süden. Somit hieß unsere Gasse einfach "Erste Straße". Nach 1643 übertrug man den Namen Judengasse von der ab dann Milchkannengasse genannten Straße auf diese Gasse.

Erst 1936 wurde auch sie "arisiert". Trotzdem errichtete man in einem der Speicher Ende 1939 just hier das Ghetto für die in Danzig noch verbliebenen 600 Juden. Das Ghetto wurde circa 1942 aufgelöst.

Nach dem Krieg blieben in dieser Gasse nur Ruinen stehen; sie wurde trotzdem in den älteren Stadtplänen als ul. Spichrzowa verzeichnet. Das änderte sich in den 1950er Jahren — die Ruinen wurden abgetragen und die Gasse verschwand von den Stadtplänen. Erst Ende der 1990er Jahre tauchte sie wieder auf. Heute plant man eine vollkommen neue Bebauung dieser Gasse. Übersetzt heißt sie heute Speichergasse (Granary Lane).

Source(s): Stephan, W. Danzig. Gründung und Straßennamen. Marburg 1954, S 161