Weidengasse
Łąkowa
Geschichte
Diese Gasse der Niederstadt reichte früher nur bis zum Schnittpunkt mit der Langgarter Hinter- und Kasernengasse, da der Durchbruch von hier nach Langgarten erst 1874 vorgenommen wurde. Die Gasse war wie viele andere dieser Gegend der Länge nach von einem Graben durchzogen, wobei die Uferseiten der einzelnen Abschnitte verschieden benannt waren.
Auf der Strecke von der Kasernengasse bis zur Reitergasse hieß um 1650 das nach dem Wall zu gelegene Ufer Reussengasse, wohl nach einer Herberge für aus dem Osten kommende Handelsgäste, die noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts meist in der Niederstadt abstiegen. Die gegenüberliegende Seite war nicht benannt. Von der Reitergasse bis zur Strandgasse hieß die Seite nach der Mottlau Schilfgasse, die gegenüberliegende Gänsegasse. Von der Strandgasse bis zur Sperlingsgasse schließlich wurde die Mottlauseite Schwanengasse genannt, die Wallseite bis zur ehemaligen Rosengasse (an der Gewehrfabrik) Lindengasse; nur das kurze Stück dieser Seite von der Rosengasse bis zur damaligen Kolkowgasse trug den Namen Weidengasse.
Auf Plänen des 18. Jahrhunderts hatte sich die Bezeichnung Weidengasse bereits auf die ganze Wallseite von der Strandgasse bis zur Sperlingsgasse ausgedehnt, während die gegenüberliegende Seite noch den Namen Schwanengasse führte. Von der Strandgasse bis zur Kasernengasse wurden beide Straßenseiten damals Hintergasse genannt. Seit 1814 wird unter Weidengasse regelmäßig die ganze Strecke von der Sperlingsgasse bis zur Kasernengasse verstanden. An die älteren Teilbezeichnungen erinnerte nur noch der bis 1869 für eine zwischen Rosengasse und Kolkowgasse von der Weidengasse abgezweigte, dann verbaute Sackgasse gebrauchte Name Schwanengang. Die letzte Erweiterung erfuhr die Weidengasse durch den erwähnten Durchbruch nach Langgarten 1874.
Nach dem Krieg ist der polnischen Umbenennungskommission bei dieser Gasse ein drolliger Fehler unterlaufen: Man verwechselte den Baum Weide mit der Viehweide, sodass diese Gasse heute übersetzt Wiesengasse heißt, die alte Wiesengasse dagegen Weidengasse. Bohdan Szermer, 1945 Mitarbeiter der polnischen Stadtverwaltung, erklärt den Fehler so: "Als man die Straßen der Niederstadt umbenannte, haben die Mitarbeiter, die die Straßenschilder annagelten, etwas durcheinandergebracht und in der Wiesengasse die Schilder 'Weidengasse' angenagelt und in der Weidengasse die mit 'Wiesengasse'. Als man nach einiger Zeit den Irrtum bemerkte und korrigieren wollte, protestierten die Anwohner, die sich bereits an die Namen gewöhnt hatten, ihren Familien und Bekannten die Adressen mitgeteilt und zum Teil (als Handwerker und Ladeninhaber) bereits Stempel bestellt hatten. Und so blieb es dann auch." (Bohdan Szermer: "Das erste Jahr in Danzig. Fragment." Veröffentlicht in: 30 Tage Nr. 3 (41). Übersetzt R. Kowald)