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Ketterhagergasse

Zbytki

Geschichte

In den Erbbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts wird die Gasse nur als „arta platea versus valvam” (schmale Gasse zum Tor) genannt. Doch bereits in einem Zinsregister von 1377/78 findet sich die Bezeichnung „versus valvam keterhagin”. Noch 1633 nennt das Erbbuch sie nach dem „Ketterhagschen Thor”. Später wurde der Name auch zu „Ketterauisches Thor” entstellt. In einem Amtsblatt von 1817 wird sie auch „Ketterhagische Thorgasse” genannt.

Ursprünglich reichte die Gasse nur von der Hundegasse bis zur Hintergasse, unmittelbar hinter welcher sie durch das Tor abgeschlossen wurde. Dieses nahm mit Vortor und Gräben den Raum bis zum Vorstädtischen Graben ein. Erst nach Zuschüttung der Gräben im 17. Jahrhundert entstand der zwischen dem Tor und dem Vorstädtischen Graben gelegene Teil der Gasse, dessen Grundstücke im Erbbuch die Bezeichnung „vor dem Ketterhagischen Tore” tragen. Dieser neue Teil der Gasse wurde bis ins 19. Jahrhundert so genannt. Das Tor selbst wurde 1836 abgebrochen.

Der Name „Ketterhagen” oder „Ketzerhagen” wurde auch in Danzig selbst gelegentlich 1416 noch zur Benennung einer zweiten Örtlichkeit verwendet, nämlich der Gegend am Haustor. Derselbe Name findet sich auch in anderen Ordensstädten, zum Beispiel Elbing und Marienburg. Gemeinsames Merkmal aller dieser Gassen ist die Lage in der Nähe der Stadtmauer.

Über ihren Charakter kann nach einer Erzählung des Chronisten Johann Lindenblatt kein Zweifel bestehen. Dieser berichtet zum Jahr 1401, wie ein übler Mensch eine Kirche zu Conradswald aufbrach, eine Büchse mit dem Sakrament daraus stahl und nach Marienburg kam, wo er sich „in den ketczerhayn” bei den Huren niederließ. Den gleichen Charakter hatte die Gasse auch in Elbing, wo 1407 der Kämmerer zu einem Bau „in dem hagene” 9 Mark „von der wibe gelde” (aus dem Hurengeld) empfing.

Der Name ist demnach eine Bezeichnung für Bordellgassen. Das Wort „Ketzer” (niederdeutsch „Ketter”), ursprünglich nur im kirchlichen Sinne als „Häretiker” gebraucht, erfuhr bereits sehr früh eine vielseitige Erweiterung seines Begriffes. So bedeutete „Ketzerei” auch Lasterhaftigkeit, und insbesondere wurde der Ausdruck „kettern” im Mittelniederländischen in einem Sinne gebraucht, der vollkommen der Lokalität entspricht. Da Niederländer an der Kolonisation stark beteiligt waren, scheint es, dass das Wort ebenso wie „Vendet” und „Lastadie” von ihnen nach dem Osten gebracht wurde.

Im Westfälischen findet sich statt der in Preußen gebräuchlichen Form „Ketterhagen” für dieselbe Gattung von Gassen die Bezeichnung „Katthagen”, die wohl auf denselben Ursprung zurückgehen dürfte. Da nämlich die Ableitung des Wortes „Ketzer” von der waldensischen Sekte der Katharer bereits früh in Vergessenheit geriet und man sich ein Vergehen wie das der Ketzerei nur durch Einwirkung des Teufels erklären konnte, brachte man den Ausdruck unter anderem in vielfache Beziehung zu der als Teufelstier geltenden Katze. Es finden sich „Katzenmeister” und „Katzenglaube” statt „Ketzermeister” und „Ketzerglaube”. In denselben Beziehungen dürften auch „Katthagen” und „Ketterhagen” zueinander stehen.

Heute heißt die Straße übersetzt „Unfuggasse”.

Source(s): Stephan, W. Danzig. Gründung und Straßennamen. Marburg 1954, S 112ff Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Danzig. Jg. 1817, No 6